Hallo,
ich kann nur hoffen, dass mir die Geschichte, die ich erzähle, geglaubt wird, denn ich gebe es zu, wenn mir jemand so etwas erzählen würde, würde ich niemals glauben, dass es so etwas geben kann.
In unserem Mietshaus ist es mittlerweile ein beliebter Trick geworden, dass Stamm-Handwerker, die für eine tatsächlich notwendige Reparatur kommen, bei dieser Gelegenheit andere Schäden "entdecken", die zu aufwändigeren Arbeiten führen, die nachträglich als Modernisierung deklariert werden können. Teile, die ein paar Minuten vorher absolut in Ordnung waren (Schloss der Wohnungstür, Waschtischarmatur ...) sind plötzlich "schon lange kaputt" und "müssen" unbedingt gleichzeitig ersetzt werden, natürlich nicht durch gleichwertige, sondern durch "modernere". Natürlich werden die "kaputten" Teile entsorgt, bevor wir sie ansehen können.
Wir hatten die Idee, zu verlangen, dass uns die Teile mindestens für ein Foto gezeigt oder ausgehändigt werden, bevor die Handwerker gehen, damit wir ggfs. nachweisen lassen können, dass sie nicht kaputt waren, sondern kaputt gemacht wurden. Manchmal ist es sogar so, dass die Handwerker sagen, es sei alles in Ordnung, sie seien fertig und müssten nicht mehr kommen, und dann kommt eine eMail über versteckte "Mängel", die eine weitere "Wohnungsverbesserung" nach sich ziehen. Auch hier würden wir gerne von den Handwerkern verlangen, dass sie erst gehen, wenn sie uns einen Zettel unterschreiben, dass sie Stand des jeweiligen Tages keine weiteren Arbeiten für nötig erachten und keine weiteren Mängel vorliegen.
Weiß jemand, ob wir das überhaupt verlangen dürften?
Danke + Gruß
Recht auf Beweissicherung gegen Handwerker des Vermieters
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Ratlosundhilflos -
15. März 2024 um 13:33 -
Erledigt
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Was sagt der Vermieter dazu, wenn man ihm davon berichtet, dass Dinge ausgetauscht werden, die völlig in Ordnung sind?
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Das ist es ja, deshalb sagte ich ja, das glaubt mir niemand: Wir haben mitbekommen, dass diese Dinge den Handwerkern "nahegelegt" werden, damit Modernisierungen ohne Ankündigung und Fristeinhaltung durchgedrückt werden. Eine Dichtung ist kaputt? Da wird zufällig bei der Reparatur entdeckt, dass der Waschtisch in ein paar Monaten einen Riss bekommen könnte, da wird die ganze Installation bei dieser Gelegenheit ("wo die Handwerker doch schon da sind") ausgetauscht, durch eine bessere, zeitgemäßere, hübschere und natürlich ist es eine Modernisierung.
Und da haben wir uns gefragt, wo wir verlangen können, dass wir Fotos machen dürfen oder die Gegenstände vor dem Entsorgen retten, damit wir von jemandem, der sich auskennt, feststellen lassen können, dass das alles Schwindel ist.Nachtrag: Hierzu muss man sagen: Es ist immer dieselbe Firma, sie bekommen von diesem Vermieter sehr viele Aufträge und werden auch wörtlich auf genau das hingewiesen, wenn man will, dass sie etwas so "auslegen" oder betrachten, wie es ermöglicht, den Mietern bestimmte Dinge aufzuzwingen, bevor die Mieter sich erkundigen können, ob das alles so rechtens ist.
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So einen Nachweis kann man nicht verlangen. Aber man muss nicht alles dulden, was die Firma meint, machen zu wollen. Auch wenn es die Stamm-Firma ist, mit der der Vermieter ständig zusammen arbeitet, so ist es doch Aufgabe des Vermieters, dass er seine Mieter vorab über einen Auftrag informiert. Wenn die Firma erneut kommt, um etwas tauschen zu wollen, was mit dem Vermieter nicht zuvor kommuniziert wurde, darf man das auch ablehnen. Ebenso darf man ablehnen, wenn die Firma etwas tauscht, was ganz offensichtlich nicht beschädigt ist. Dahingehend darf sich der Vermieter oder eine Firma noch nicht mal in der Wohnung umschauen, denn man hat als Mieter die Pflicht, den Vermieter zu informieren, wenn etwas kaputt ist.
Und selbst wenn etwas zusätzlich getauscht wird, was nicht nötig wäre, bedeutet das noch lange nicht, dass der Vermieter dafür Geld verlangen darf. Die Firma behauptet ja, etwas wäre defekt. Und mit dieser Aussage hat sich die Umlage wegen Modernisierung schon erledigt. Denn eine Modernisierung ist es aus Prinzip immer nur, solange die Sache noch funktioniert. Bei einer defekten Sache ist es aber eine Instandhaltung, auch wenn bessere Teile angeschafft werden. Man muss sich also durchaus nicht alles gefallen lassen. Doch viele Mieter lassen sich leider zu viel gefallen nur aus der Angst heraus, vielleicht gekündigt werden zu können.
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Vielen Dank, Fruggel. Angst ist das richtige Wort. (Wir haben ein sehr kleines Einkommen, sind beide chronisch krank bzw. behindert (unsichtbare Behinderung), und einen Rauswurf können wir nicht gebrauchen. Wir sind jetzt schon von dem ganzen Stress ganz krank).
Das Problem ist eben auch, wenn nicht nur die (vermeintlich) kaputte Sache ausgetauscht wird, sondern sich daraus eben Nebenschauplätze ergeben. Es geht von "instandhaltende Modernisierung", weil durch den Austausch eines angeblich kaputten Rohranschlusses der Wasserdruck, der nicht dem Standard entsprochen habe, verbessert wird, bis zu: weil der Spülkasten ersetzt werden sollte (er war alt, aber absolut in Ordnung, bevor die Schwimmerdichtung ersetzt werden musste und es dann hieß, er würde es so oder so nicht mehr lange tun, ein neuer müsste her), musste die Toilette auch ersetzt werden (die modernen Spülkästen könne man nicht daran anschließen, obwohl wir auf einem Baumarktvideo gesehen haben, dass es gleichwertige Spülkästen noch immer gegeben hätte und der Toilettenanschluss auch nicht anders gewesen wäre), durch eine schöne modernere bessere = Modernisierung = Mieterhöhung.
Das Ganze muss immer dann ganz schnell gehen (solange die Handwerker eben die erste Reparatur durchführen und dies und jenes schon offen ist), so dass wir keine Zeit haben, uns beraten zu lassen. -
Das verstehe ich, dass es bei der Reparatur überraschende Momente geben kann, die einen dann überfordern, wie man reagieren soll. Wie gesagt, man kann Dinge verbieten, die nicht beauftragt sind zur Erledigung bei diesem Termin und freundlich sagen, dass man das erst mit dem Vermieter absprechen müsse. Man kann auch eine Person des Vertrauens dazu holen zur Unterstützung, die dann entsprechend sachlich reagieren kann.
Zumindest aber wenn vom Vermieter eine Zahlungsaufforderung oder Mieterhöhung kommen sollte, hat man doch dann die Zeit, sich in Ruhe beraten zu lassen, ob man verpflichtet ist, das zu zahlen. Man muss vielleicht Maßnahmen des Vermieters dulden, aber das bedeutet noch lange nicht, dass man dafür zahlen muss.
Behaltet die Nerven, denn ein Grund zur Kündigung ist das beschriebene Problem nicht. Es geht schimmstenfalls nur um die Feststellung, wofür und wie viel ihr zahlen müsst.
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Danke, Fruggel, für diese beruhigenden Worte.
Ein Teil des Problems ist eben, dass wir oft (nicht immer, aber oft) vor vollendeten Tatsachen stehen. Die Handwerker arbeiten bei geschlossener Tür ("das wird eine Riesenstaubentwicklung, das wollen Sie nicht in der Wohnung haben"), entfernen dann schnell, was kaputt sein soll.
Der Vermieter kommt vorbei und meint, dass dies und jenes nicht anders zu lösen sei, als durch eine modernisierende Instandhaltung. Das hätten die Handwerker gerade am Telefon bestätigt und beauftragt sofort die Handwerker, das zu tun, was zu tun ist, "wo sie schon dabei sind".
Uns wird auch damit Angst gemacht. Wenn wir es nicht jetzt zulassen, eine viel größere und viel schlimmere Baustelle, mit viel größeren Unannehmlichkeiten, die sich dann über Wochen oder Monate hinziehen könnten, auf uns zukommen wird.
Wobei wir wirklich mitbekommen haben (es ist wirklich wahr, man glaubt es nicht), dass diese Dinge schon vorher auf der Straße vor dem Haus oder am Telefon während der Arbeiten besprochen werden und die Handwerker unter Druck gesetzt werden, zu bestätigen, dass dies und jenes nicht zu reparieren sei, auch wenn sie selbst meinen, es könne so bleiben).
Aber danke noch einmal für die beruhigenden Worte. Wir sind nicht alt, aber auch nicht mehr ganz jung, und das alles setzt uns und unserer Gesundheit unglaublich zu. Man fühlt sich so ausgeliefert. -
Ich wiederhole mich jetzt zwar, aber ich möchte nochmal ausdrücklich empfehlen, Mieterhöhungen genauer prüfen zu lassen. Denn es sehr wahrscheinlich, dass ein Anwalt feststellen wird, dass diese Mieterhöhungen wegen Modernisierung entweder gar nicht berechtigt sind oder zumindest die Höhe falsch ist. In dem Punkt habt ihr doch Zeit und keinen Druck.
Ja, es gibt so etwas wie modernisierende Instandhaltung, das ist schon richtig. Voraussetzung ist aber, dass der Vermieter die Wahl hat, eventuell auch nur die Instandhaltung zu machen. In diesem Fall wird aber ja die Aussage getroffen, die Moderiniserung wäre nötig, weil es keine passendenTeile gleicher Art mehr gäbe. Mal ganz davon abgesehen, dass die Aussage ja gelogen ist, so ist es schlicht keine Modernisierung mehr. Wenn es ähnliche Teile nicht mehr gibt, dann ist die Wahl höherwertiger Teile keine Option, sondern zwingend nötig. Somit fällt das zu 100% unter Instandsetzung.
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Noch einmal vielen, vielen Dank, Fruggel. Das beruhigt mich jetzt noch mehr. DANKE!!!!
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Es ist völlig legal, vom Verkäufer zu verlangen, dass er Ihnen verdächtige defekte Teile zeigt oder aushändigt, bevor er sie entsorgt. So können Sie sicher sein, dass der geltend gemachte Schaden tatsächlich vorhanden ist und nicht nur für Mehrarbeit kompensiert wurde. Es ist auch ratsam, vor der Abreise vom Techniker eine Bestätigung zu verlangen, dass er keine weiteren Mängel festgestellt hat.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Ihre Möglichkeiten, solche Anfragen zu stellen, je nach den geltenden Gesetzen und Mietgesetzen in Ihrem Land oder Ihrer Region variieren können. Es kann hilfreich sein, Rechtsberatung einzuholen, um sicherzustellen, dass Ihre Anfragen rechtmäßig sind und Ihre Rechte als Mieter respektiert werden.
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