Tobender Vermieter und Regress

  • Hallo liebe Forumsleute,

    leider melde auch ich mich wie so viele andere aus einer Notlage heraus und hoffe, euer Wissen ganz egoistisch nutzen zu dürfen. Ich schlage mich bereits eine Zeitlang mit der Sache herum und das Ganze zehrt schon sehr an
    meinen Nerven. Der Mieterbund ist bereits eingeschaltet, ist allerdings nun mal nicht zu jeder Zeit verfügbar und ich befürchte, auf mich allein gestellt aus Unachtsamkeit Fehler zu machen...

    Situation:
    Mietverhältnis seit neun Jahren, stets pünktlich und in voller Höhe Miete gezahlt, nie ein Streit oder gar irgendwas mit Abmahnungen oder so vorgefallen.
    Nun kündigt mir mein Vermieter im April - mit falsch berechneter Frist (3 Monate), zweifelhaftem Grund ("Im Rahmen der Dämmung des Dachs zur EnEv bietet es sich an, den Schnitt Ihrer Wohnung zu verändern. Da diese damit mehrere Wochen lang unbewohnbar bleibt, kündigen wir Ihnen...") und etlichen fehlenden Angaben (kein Härteverweis, kein exaktes Datum etc.).
    Mein Eindruck ist, dass die mich persönlich nicht leiden können und mich daher unbedingt weghaben möchten. Leider bin ich auch nicht gerade die härteste Person in Streitfragen.

    Auf Anraten des Mieterbunds habe ich die falsche Frist verstreichen lassen und zusammen haben wir ein Schreiben aufgesetzt: Kündigung ungültig, Ankündigung Baumaßnahmen ungültig, jedoch bitte Ihr Einverständnis geben, dass Mieter mit einem Monat Frist kündigen kann. Darauf kam nur ein Zeitschinde-Schreiben ("Das verstehen wir jetzt nicht.").

    Leider wohne ich nun mit besagtem Vermieter im selben Gebäude. Der Mann ist sehr laut, ausfallend und grob, und macht bei jeder Gelegenheit von Drohungen Gebrauch.
    - "Manche Vermieter haben schon Fenster zugemauert"
    - "Verar___en Sie mich nicht"
    - "Ich mache das ganze Haus gegen Sie rebellisch"
    - "Ich ziehe Sie in Regress"

    Das Ganze mit endlosem Geschrei und absolute zu keiner Antwort oder Dialog bereit. Vielleicht hat er den Eindruck, dass er's eben mit mir machen kann, oder keinerlei Unrechtsbewusstsein, oder ist tatsächlich so irre drauf versteift und denkt, er sei im Recht.
    Jedenfalls bin ich mit den Nerven sehr fertig, die Wohnungssuche ist auch immens aufreibend, und ich weiß nicht, ob ich den Konfrontationen so standhalten kann.

    Könnte der Mann mich tatsächlich in Regress ziehen, wenn ich Handwerker tatsächlich draußen stehenlasse? Und mir die Existenz ruinieren? Leider bin ich nicht rechtsschutzversichert.
    Was muss ich tun, wenn er versucht, mit Geschrei und Gepolter meine Hausschlüssel zu verlangen, weil er "morgen reinmuss, sonst bleibt die Heizung im Haus aus und alle wissen, Sie sind's gewesen"?
    Verzeihung für die Jammerei, es ist nur etwas schwierig für mich aus psychologischer Sicht. Falls sich jemand zu einer Antwort hinreißen lässt, wäre ich sehr froh...

  • Bitte habe Verständnis, dass ich mich in einen bestehenden Streit, in dem bereits der Mieterverein eingeschaltet ist, nicht einmische. Lass den Verein seinen Job machen, dafür zahlst du ja auch Beiträge.

  • Danke schon mal für die Antwort!

    Ich habe mich vor dem Posten schon ein wenig eingelesen hier im Forum und mir ist klar, dass mein Problem jetzt im Grunde genommen nicht so extrem schlimm ist wie das vieler anderer Poster.

    Mein Anliegen war hauptsächlich auf die extreme Direktkonfliktsituation bezogen, wenn mir der Mensch den Weg verstellt. Natürlich verstehe ich, dass man da nicht definitiv reinreden möchte, entschuldige.

  • Hallo Kaffeekanne,
    ich würde Tagebuch führen und tabellarisch angeben: Wann hat Wer Was gesagt oder getan, Wie wirkte es sich aus, Wer ist Zeuge?
    Mit der Sammlung dann zu einem Fachanwalt und überlegen, ob eine Einstweilige Verfügung mit Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250T€ helfen könnte.

  • Auf den Mieterbund kannst emist pfeifen wenns drauf ankommt. Daher Anwalt. Ich hätte versucht die Frist zu halten denn nun haste Das. Ob hier gar eine AO Kündigung rechtens ist, schwer zu sagen.

    Moralisch biste natürlich im Recht :rolleyes:

  • Vielen Dank für die Antworten!

    Wegen der Frist: Halten im Sinne von Einspruch einlegen? Obwohl die Kündigung praktisch in keiner Weise stimmte?

    Und laut Gesetz hätte ich bei korrekter Kündigung 9 Monate Frist, das steht zum Glück klar und wörtlich im BGB...

    Berny, danke für den Hinweis. Ich muss versuchen, so was glaubhaft rüberzubringen, wenn's irgendwann rundgeht hier in Hof oder Treppenhaus...

  • Vielen Dank für die Antworten!

    Wegen der Frist: Halten im Sinne von Einspruch einlegen? Obwohl die Kündigung praktisch in keiner Weise stimmte?

    Und laut Gesetz hätte ich bei korrekter Kündigung 9 Monate Frist, das steht zum Glück klar und wörtlich im BGB...

    Berny, danke für den Hinweis. Ich muss versuchen, so was glaubhaft rüberzubringen, wenn's irgendwann rundgeht hier in Hof oder Treppenhaus...

    Berny hat absolut recht. Wenn das so ist wie du sagst, dann dahingehend auf jeden Fall Protokoll führen, Zeugen sammeln usw. Das wird aber an der Situation mit der Kündigung nichts ändern. Daher, wenn es dir ernst ist, würde ich mir mal einen Fachanwalt suchen, und dem das vortragen.
    Ansonsten kann man ja durchaus mal anklingen lassen, wie es denn mit einer Abfindung bei einem schnellen Auszug aussieht? Das wäre doch so ein typischer Fall, wo das in beiderseitigem Interesse sein könnte, oder?

  • Danke schon mal für die Antwort!

    Ich habe mich vor dem Posten schon ein wenig eingelesen hier im Forum und mir ist klar, dass mein Problem jetzt im Grunde genommen nicht so extrem schlimm ist wie das vieler anderer Poster.

    Mein Anliegen war hauptsächlich auf die extreme Direktkonfliktsituation bezogen, wenn mir der Mensch den Weg verstellt. Natürlich verstehe ich, dass man da nicht definitiv reinreden möchte, entschuldige.

    Hallo,

    wenn Ihnen der Vermieter den Weg verstellt und Sie mit Gebrüll dauerhaft belästigt, dann ist das ein Tatbestand der Nötigung, den Sie bitte zur Anzeige bringen sollten.

    Zudem halte ich die Kündigung für nicht gerechtfertigt, hier sollte eine astreine Verwertungskündigung Anwendung finden, die es aber nicht ist.

    Nur weil es sich anbietet, eine Wohnung zu verändern ist kein Kündigungsgrund, bitte lassen Sie das mit dem Mieterverein und suchen einen Fachanwalt für Mietrecht auf.

    Gruß

    BHShuber

  • Danke erneut für all die hilfreichen Antworten. Der Konsens scheint ja mehr oder weniger da zu sein - Anwalt im Falle weiterer Angriffe.

    Und nein, Abfindung würde der nie und nimmer zustimmen. Dafür (so ist mein Eindruck) ist der Mann viel zu verbohrt.

    Ich bin ja wie gesagt eifrig auf Wohnungssuche, es geht mir nur um meine verbleibende Zeit hier bzw. den Gehalt der ganzen Drohungen...

  • Ich möchte mich nur noch mal melden und diese Sache zum Abschluss bringen. Es ist im Internet ja oft so, dass Problem-Threads ins Leere laufen, und da mach ich mal die Ausnahme :)

    Kurz zusammengefasst: Ich habe mich schwer eingelesen in die Materie, Mietrecht, Regress etc.
    Zur gleichen Zeit INTENSIV nach Wohnungen gesucht, 6-10 Stück die Woche besichtigt, das volle Programm.

    Der Mieterbund hat derweil den Briefverkehr übernommen, während ich mich bereit hielt, jeden Handwerker umgehend abzuweisen.

    Wochen später (die bei Wohnungsstress vergehen wie Minuten) wurde es kalt, und selbst als Laie merkte ich, dass es mit Dämmarbeiten da nix mehr wird. Dazu war ich so irrsinnig gestresst, dass ich eines Morgens einfach kurzentschlossen zum VM rüber bin, höflich die Tür eingetreten und ein eisiges, aber geregeltes Gespräch begonnen habe. Manchmal muss man eben über seine Ängste drübergehen.

    Er zeigte sich bockig, unwillig und so herrschsüchtig, dass er von mir einen fertigen Mietvertrag forderte, ehe er mich früher rausließ.
    Dazu erhielt ich noch ein extrem abstrusen Schreiben, das jedes Rechtsverständnis vermissen ließ, welches ich schlicht ignorierte.

    Ende vom Lied: Ich fand eine tolle Wohnung (ca. Nr. 35), unterschrieb gleich, gab dem VM keinen Einblick in den Vertrag sondern warf ihm gleich 'ne Kündigung auf einen Monat ausgestellt hin, die er nach etwas Motzen auch unterschrieb.

    Fazit: Ich musste oft nachgeben und in einer perfekten Welt hätte ich dem Kerl die Gesetze um die Ohren gehauen und gelacht, aber letzten Endes bin ich raus, glücklich und erleichtert.

    In einem Monat ist Auszug und ich muss nur noch rauskriegen, wie viel Küche ich mir schnappen und mitnehmen kann :)

    Danke noch mal für die Hilfe!

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