Nachbarschaftsstreitigkeiten sind extrem schwierige Angelegenheiten, weil hier verschiedene Lebensgewohnheiten, Meinungen und Interessen aufeinander prallen. Diese auf einen Nenner zu bekommen ist alles andere als einfach. Und wenn es dann noch Menschen gibt, und davon gibt es reichlich, die mit Vorliebe anderen Menschen das Leben schwer machen wollen, dass wird es richtig kompliziert. Ich denke, du wirst daher in keinem Forum eine wirkliche Lösung bekommen, sondern das geht nur, indem auf die Situation individuell eingegangen wird.
Es geht mehr um die menschliche Seite, weniger um die rechtliche. Ja, der Vermieter dürfte dir nicht verbieten, dem Hund die Pfoten vor der Wohnungstür abzutrocknen. Denn so normal wie es ist, dass man vor der Tür eine Fußmatte hat, um sich die Füße abzutreten, genauso ist es auch bezogen auf den Hund eine vertragsgemäße Nutzung. Und vielleicht könntest du eine Unterlassung gegen den Nachbarn erwirken, weil es eine Besitzstörung ist, wenn er Parfüm auf dich sprüht. Aber selbst wenn du bei einem Richter dein Recht bekommst, ist gar nichts gewonnen. Der Nachbar wird sich andere Sachen ausdenken, wie er dir das Leben schwer machen kann, und das dann vielleicht aus Rache mit noch mehr Kreativität.
Ja, der Vermieter ist in der Mitverantwortung bzw. auch in der Pflicht, zu einer Lösung beizutragen. Doch es könnte vielleicht sein, dass er damit überfordert ist. Jedenfalls habe ich den Eindruck aufgrund seiner Abmahnung, über die sich streiten lässt, ob die nun so sinnvoll ist zur Lösung des Problems. Und wenn der Vermieter überfordert ist, dann nützt es auch nichts, ihm Druck zu machen.
Es wäre interessant zu wissen, warum sich der Nachbar so verhält wie er es tut. Das Verhalten eines Menschen hat immer irgend einen Hintergrund. Manchen stört die Fliege an der Wand, und andere fühlen sich in ihrem Selbstwertgefühl erst dann besser, wenn sie andere denunzieren können. Was es bei deinem Nachbarn ist, ist sicherlich ziemlich unklar.
Ich würde im ersten Schritt das persönliche Gespräch mit dem Vermieter suchen. Und ich meine das in aller Ruhe, wo man sich zusammen setzt, nicht zwischenn Tür und Angel. Versuche heraus zu finden, wie er die Sache sieht, wie er den Nachbarn einschätzt. Mache ihn auf die Tatsachen aufmerksam, dass es objektiv nicht dreckig ist, du häufig den Flur wischst etc. Klage dabei nicht den Nachbarn an, sondern bitte um Hilfe.
Erst danach kann man sehen, wie man weiter vorgeht. Wie oben schon gesagt, gibt es kein Standardrezept. In manchen Fällen kann man auch einen Mediator zuhilfe nehmen. Mediatoren sind oft Anwälte oder anderweitig versierte Leute, die darauf geschult sind, solche zwischenmenschlichen Probleme zu lösen und Kompromisse finden können. Die andere Partei muss auch das Gefühl haben, dass ihre Interessen ernst genommen werden, dann kommt auch ein Einlenken.
Ich denke, es ist schon sehr deutlich geworden, dass sich das Problem meiner Ansicht nach nur auf psychologischer Ebene nachhaltig lösen lässt. Daher noch ein letzter Rat, dieser lautet: Lächeln. Falls dein Nachbar so ein Mensch sein sollte, für den es eine Befriedigung darstellt, wenn sich andere ärgern und es schwer haben, und du zeigst ihm das unbewußt durch verzweifelte und eingeschüchterte Blicke, dann ist das Balsam für seine Seele. Freundlich grüßen und ein Lächeln schadet nie, auch nicht bei Menschen, die einen nicht mögen oder die man nicht mag.