Heizkostenabrechnung hoher Energieverbrauch

  • Hallo zusammen.

    Ich habe kürzlich meine Heizkostenabrechnung (inkl. Wasser/Warmwasser) bekommen. Zugestellt wurde diese durch den Vermieter, erstellt von einem auf Abrechnungen spezialisierten Unternehmen. Das lässt natürlich erst einmal Anlass zur Annahme der Korrektheit der Abrechnung. Allerdings kommen bei mir irgendwie Zweifel auf, wenn ich die Werte mit Durchschnittswerten allgemein und auch mit Durchschnittswerten von Altbauten etc. Vergleiche. Zunächst einmal ein paar Grundangaben zum/r Gebäude/Liegenschaft:

    Das Haus (bzw. die beheizte Fläche) wird mit einer Größe von insgesamt 1897m². Der verbrauchte Brennstoff (Gas) wird mit 473.158 kWh angegeben (7,68% hiervon entfallen auf die Warmwasseraufbereitung). Ergibt einen Wert von fast 250 kWh pro Jahr und m² . Bei den reinen Heizkosten sind es dann 230 kWh pro Jahr und m². Das ist anscheinend ein extrem hoher Wert. Ich kann das Baujahr des Hauses nicht explizit benennen, es dürfte aber nicht vor 1970 erbaut worden sein.


    Im Haus selber befinden sich insgesamt 21 Wohnungen mit einer Fläche von 1058m². Der Rest ist gewerblich genutzte Fläche. In der Betriebskostenabrechnung wird scheinbar differenziert, denn der Umlageschlüssel dort bezieht sich auf besagte 1058m² (Wohnfläche). In der Heizkostenabrechnung wird hier anscheinend nicht weiter differenziert, da hier die Gesamtfläche (Wohn- und Gewerbefläche) von 1897m² veranschlagt wird.

    Zu meinem Heizverhalten:

    Viele sagen ja oft, "ich habe kaum geheizt, oder nur einzelne Räume" etc.. Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass sich mittlerweile rumgesprochen hat, dass das unwirtschaftlich ist. Ich lüfte 2-3 mal am Tag durch, betreibe die Heizung kontinuierlich (und drehe sie nicht hoch und runter) und halte die Türen geschlossen. Des weiteren habe ich (laut Thermometer) eine Temperatur von 18-21 Grad, je nach Raum.

    Die Wohnungen sind mit Wärmemengenzählern ausgestattet (ob alle weiß ich nicht, denke ich aber schon). Diese messen den Verbrauch in MWh, also einer physikalischen Größe und keinen Verbrauchseinheiten wie z.B. diesen Röhrchen an den Heizkörpern. Das ist ein Punkt, den ich noch nicht ganz verstehe.

    Mein Verbrauch beträgt 3,372 MWh = 3372kWh. Natürlich kommt es zu Differenzen mit dem Hauptzähler durch Verluste etc.. Aber eigentlich dachte ich, dieser Wert sei recht verlässlich. Allerdings scheint er es doch nicht zu sein. Dazu folgende Rechnung:

    473.158 kWh Gasverbrauch gesamt (abzüglich 36424 kWh für die Warmwasseraufbereitung) ergibt:
    436.734 kWh (Gas fürs heizen)
    109.307 kWh (Summe aller Werte der Wärmemengenzähler)

    Hier ergibt sich nun eine große (zumindest für mich nicht nachvollziehbare Differenz). Teilt man nun die beiden Werte (Verbrauch durch Gesamtwert der Wärmemengenzähler) durcheinander, ergibt sich ein Wert von 3,995.

    Multipliziere ich diesen Wert mit meinem Verbrauch (laut WMZ), komme ich auf fast 13500 kWh verbrauchtes Gas (nur fürs heizen und unter Berücksichtigung eines einigermaßen "milden" Winters).

    Üblicher Wert bei einer solchen Wohnung wären 4000-5000 kWh.

    Ich wohne mittleweile seit fast 20 Jahren alleine und habe in dieser Zeit 4 Wohnungen (inkl. einer WG) bewohnt und nicht annähernd einen so hohen Energieverbrauch feststellen können. Wäre es die erste eigene Wohnung, könnte ich ja noch nachvollziehen, dass ich evtl. unwirtschaftlich, zu viel oder was auch immer heize. Aber ich habe bisher nie größere Nachzahlungen gehabt, eher im Gegenteil. Habe fast immer Geld zurück bekommen und lag meist was Energie anging (auch Strom) unter dem Durchschnitt. Jetzt liege ich fast 200% drüber. Kann das wirklich an schlechter Isolierung liegen, oder an Fehlern in der Abrechnung? Dann werde ich mich nämlich schleunigst nach einer anderen Wohnung umsehen. Für die Wohnung in der ich aktuell lebe, sit das die erste Abrechnung.

    Vielen Dank schon einmal im Voraus für Antworten.
    MfG Michael

  • Ein Denkfehler:

    Die KWh des Gasanbieters entsprechen nicht den KWh der Summe der Heizkostenverteiler.
    Die Einheit ist zwar gleich, aber es sind dennoch komplett verschiedene Werte.
    Es ist schwer für einen Nichttechniker zu beschreiben, aber man könnte es so erklären:
    Das eine sind Brennwerte (Gas), das Andere Verdunstungswerte (HKV).

    Man darf nicht das Eine mit dem Anderen vergleichen.

    Wenn es jemand besser erklären kann, dann Freiwillige vor :D

  • OK.

    Danke erstmal für die Antwort. Verstanden habe ich es nicht wirklich :D , scheint aber dennoch seine Richtigkeit zu haben, dass die Werte abweichen.

    Dennoch ist der Gasverbrauch (meiner Meinung nach) insgesamt deutlich zu hoch, oder? Wie gesagt. Wohne seit knapp 20 Jahren alleine, aber einen derartigen Energieverbrauch hatte ich nie.

  • Man sollte dann mal die Gasverbräuche der letzten 20 Jahre nebeneinanderstellen und die Abweichungen berechnen...

    Je älter die Anlage wird, umso unsauberer die Verbrennung (trotz Wartung) und desto höher KANN der Verbrauch werden.

  • Ein Denkfehler:
    Man darf nicht das Eine mit dem Anderen vergleichen.
    Wenn es jemand besser erklären kann, dann Freiwillige vor :D


    Dann versuche ich es mal. Bei der Heizkostenberechnung ist es eigentlich zweitrangig, wv. kWh das Haus verbraucht hat. Interessant sind die Kosten, denn diese werden auf die Mieteinheiten verteilt - und zwar anteilig entsprechend den durch die WMZ ermittelten Einzelverbräuchen.

  • Vom Gefühl her finde ich den Warmwasseranteil recht klein. Wie wurde dieser ermittelt (Formel oder Wärmemengenzähler)? Wieviel m³ Warmwasser sind laut Abrechnung im gesamten Haus angefallen?

  • Richtig. In meinem MFH i.d.R. ~20%.

    Liegt bei uns bei ca. 8%. Liegt allerdings wahrscheinlich daran, dass der Anteil der Heizkosten doppelt so hoch ist, wie bei der angegebenen Fläche "üblich".

    Vom Gefühl her finde ich den Warmwasseranteil recht klein. Wie wurde dieser ermittelt (Formel oder Wärmemengenzähler)? Wieviel m³ Warmwasser sind laut Abrechnung im gesamten Haus angefallen?

    Liegt wahrscheinlich am astronomischem Verbrauch bei den Kosten fürs Heizen. 13.500 kWh Gas zum beheizen von 40m²? Damit heizen manche Häuser oder Wohnungen von 100-150m². Dementsprechend wird der relative Anteil an den Gesamtkosten ja kleiner, auch wenn der absolute Anteil evtl. "normal" ist. Weiß allerdings nicht welchen Verbrauch von Warmwasser man pro Person ca. veranschlagt.

    EDIT: Warmwasserverbrauch der kompletten Liegenschaft: 262 m³

    3 Mal editiert, zuletzt von MichaelEssen (30. Juni 2015 um 23:46)

  • Hier ergibt sich nun eine große (zumindest für mich nicht nachvollziehbare Differenz). Teilt man nun die beiden Werte (Verbrauch durch Gesamtwert der Wärmemengenzähler) durcheinander, ergibt sich ein Wert von 3,995.

    Multipliziere ich diesen Wert mit meinem Verbrauch (laut WMZ), komme ich auf fast 13500 kWh verbrauchtes Gas (nur fürs heizen und unter Berücksichtigung eines einigermaßen "milden" Winters).

    Ich kann nicht so richtig nachvollziehen was diese Rechnung darstellen soll. Die Differenz zwischen den der Gesamtmenge und den Einzelzählern entsteht am Kessel und in den Leitungen außerhalb der Wohnungen. Warum also die Multiplikation mit dem Verbrauch Ihrer Wohnung?

  • Ich kann nicht so richtig nachvollziehen was diese Rechnung darstellen soll. Die Differenz zwischen den der Gesamtmenge und den Einzelzählern entsteht am Kessel und in den Leitungen außerhalb der Wohnungen. Warum also die Multiplikation mit dem Verbrauch Ihrer Wohnung?

    Ich habe ja einen Ablesewert auf meinem WMZ. Genau wie alle anderen Mietparteien. Dieser ist in der physikalischen Größe angegeben. In diesem Fall in MWh. Mit dem Faktor 1000 multipliziert erhalte ich meinen Verbrauch in kWh. Gleiches gilt für den Gesamtverbrauch aller Zähler.


    Natürlich entstehen Verluste. Die sind auch trotzdem zu bezahlen. ABER: Wenn der Versorger 473.158 kWh liefert und die Summe aller Einzelzähler 109.307 kWh beträgt, liegt der Verlust bei 77%. Und dieser Wert ist jenseits von Gut und Böse. Der Nutzungsgrad eines Kessels liegt normal bei 50 bis nahezu 100%, je nach Alter und Anage. Bei einem Nutzungsgrad von 23% kann irgendetwas nicht stimmen. Das bedeutet ja, dass ich pro m² den ich heize, Energie für die 4-fache Fläche aufwenden muss.

  • Mit folgender Formel kann man den Jahresnutzungsgrad des Kessels bzw. der Anlage berechnen:

    Jahresnutzungsgrad [%]= (Nutzenergie*[kWh/a]· 100) / Endenergie*[kWh/a] (Quelle: Jahresnutzungsgrad der Heizung (gesamtes Heizssystem))

    Zur Veranschaulichung ein Beispiel mit fiktiven Zahlen.

    Der Versorger liefert 10.000 kWh Brennstoff im Jahr. Ein MFH mit 3 Parteien (allesamt mit WMZ) haben folgende Werte:

    Partei 1: 2000 kWh
    Partei 2: 2500 kWh
    Partei 3: 3000 kWh
    Insgesamt 7500 kWh

    Die WMZ zeigen in der Summe einen Wert von 7500 kWh an. Die Abweichung vom tatsächlich gelieferten Brennstoff, lassen sich durch den Nutzungsgrad der Heizanlage erklären. Dieser beträgt 75%. Der Versorger erfasst die „gelieferte“ oder Nutzenergie, die WMZ die „verbrauchte“ oder Endenergie.

    Bei einem Nutzungsgrad von 50% würde die Summe der WMZ entsprechend 5000 kWh ergeben, wenn der Versorger tatsächlich 10.000 kWh liefert.

    Abgerechnet wird natürlich die gelieferte Menge. Der Vermieter errechnet nun die Gesamtkosten (der Einfachheit halber im Beispiel ohne Kosten für Abrechnung, Betriebsstrom etc.). Bei einem Bezugspreis von 10 Cent/kWh wären das hier 1000€.

    Das legt er dann entsprechend des Umlageschlüssels auf die Mieter um.

    Der Jahresnutzungsgrad kann zwischen 50 und 99% schwanken, je nach Anlage und vor allem Alter der Anlage. Kann auch hier nachgelesen werden (Jahresnutzungsgrad der Heizung (gesamtes Heizssystem)).

    Konkret umgerechnet auf die Abrechnung unserer Liegenschaft hätte ich folgende Werte:

    Nutzenergie 473.158 kWh (Angabe Versorger)
    Endenergie 109.307 kWh (Ablesewert WMZ)

    Mit der oben angegebenen Formel, ergäbe das einen Wirkungsgrad von 23%. Das wäre ein absolut unterirdischer Wert.

    Ich habe jetzt mal den Verbrauch durchgerechnet bei einem Nutzungsgrad von 50%. Berücksichtigt habe ich dabei nur den Einkauf des Brennstoffs. Kosten für Abrechnung etc. würden ja davon unberührt bleiben. Damit würden sich die Kosten für den Bezug des Brennstoffs von 26.000€ auf 17.000€ reduzieren.

    Bei einem Nutzungsgrad von 50% läge die Nutzenergie bei 218.580 kWh. Nimmt man nun an, dass die Warmwasseraufbereitung davon unbeeinflusst bleibt und weiterhin Energie von ca. 36.000 kWh benötigt, stünde dies auch im Verhältnis zueinander. Dann würde der Anteil der für die Warmwasseraufbereitung genutzten Energie an der insgesamt aufgewendeten Energie bei ca. 17% liegen.

    Zudem würde die verbrauchte Heizenergie meiner Wohnung bei 6600 kWh liegen. Das ist immer noch über dem Durchschnitt, aber aufgrund ungünstiger Lage (DG) nachvollziehbar. 13.500 kWh für 40m² sind hingegen nicht nachzuvollziehen. Damit heizen andere ein Wohnhaus von 150m².

  • Mag ja sein, aber nur weil die Kosten sauhoch sind, sind sie immer noch nicht falsch. Die Frage ist, wie haben sich die Verbräuche / Kosten der Anlage in den letzten Jahren entwickelt. Wenn die Steigerung kontinuierlich stattfand ist es plausibel und die Kosten sind von den Mietern zu tragen. Wenn es aber auf einmal einen gigantischen Anstieg gab, der nicht erläutert wurde und nicht nachvollziehbar ist, z. B. wegen eines Defektes an der Heizungsanlage, kann man die Gesamtkosten so nicht umlegen.

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