Umzug und welche Fristen für Kautionrückzahlung

  • Hallo,

    kurzer Abriss zur Vorgeschichte - seit 2018 ging in meiner letzten Wohnung nach und nach die Wohnsubstanz den Bach runter. Dachfenster aus Holz wurden morsch, Wasser sickerte durch, Rohrleitungen verkalkten so dass sich Ventile nicht mehr bedienen ließen, Balkontür ebenfalls undicht, Parkettboden war regelmäßig nass und die Platten haben sich abgelöst. Anfang 2020 ging auch noch die Gastherme kaputt und es gab kein Warmwasser mehr.

    Die Wohnung wurde in unrenoviertem Zustand übernommen, viele Schäden zeichneten sich schon ab, aber das ganze Ausmaß hat sich natürlich erst dann offenbart wenn man länger dort gelebt hat.

    Der Vermieter wurde über alle Mängelfeststellungen zeitnah in Kenntnis gesetzt (Email, Post-Einschreiben, auch vom Mieterverein), er hat aber nicht 1x reagiert. Telefonisch gab es immer nur Vertröstungen "Ich schicke wen" oder „Die Firma hat keine Termine frei“ aber passiert ist nichts. Mietkürzungen haben ihn nicht beeindruckt und wurden einfach so hingenommen. Letztendlich folgte eine Klage am Amtsgericht die der Vermieter auch verloren hat (primär aber wegen Nicht-Erscheinen zu den Verhandlungsterminen). Fazit ist jedenfalls dass die Wohnung ein einziges Desaster ist. Ich habe soweit möglich die Schäden laienhaft ausgebessert so dass z.B. kein Wasser mehr die Wand runter läuft, aber ich war nicht bereit alles aus eigener Tasche zu renovieren bzw. Handwerker zu beauftragen. Da keine Besserung in Sicht war und der Vermieter trotz verlorener Klage über 1 Jahr lang rein gar nichts unternommen hat, bin ich vor kurzem umgezogen. Der Umzug ging nicht schneller, da ich in einem kritischen Ballungszentrum lebe wo bezahlbarer Wohnraum selten ist, ich habe über 1 Jahr suchen müssen (quasi mit dem Urteil zusammen begann meine Suche weil ich schon wusste dass das nichts verändern wird).

    Die Kündigung der Wohnung hat er natürlich auch ignoriert (Einschreiben, Email, zusätzlich Einschreiben über den Mieterverein). Mehrfach wurde er aufgefordert einen Termin für die Übergabe zu vereinbaren. Der Vermieter stellt sich seit März 2022 wie die Jahre zuvor einfach wieder tot. Da habe ich ihn das letzte Mal gesehen als er nach der 1. Gerichtsverhandlung die Mängel in der Wohnung anschauen wollte. Die Folgetermine ist er nicht mehr aufgetaucht. Und nein, er ist nicht gestorben, Nachbarn haben ihn ab und an im Haus gesehen.

    Am finalen Abgabetag war er wie zu erwarten nicht vor Ort, eine Übergabe im Beisein aller konnte also nicht erfolgen. Ich habe für mich selbst ein Protokoll erstellt und hatte einen Zeugen dabei der alles angesehen und unterzeichnet hat. Dazu unzählige Bilder und Videos von allen Räumen gemacht, Die Schlüssel wurden in den Briefkasten seiner Firma mit Zeugen eingeworfen. Zusätzlich ging nochmals die Info per Email raus dass der Auszug erfolgt ist und die Schlüssel abgegeben wurden. Keine Reaktion.

    Die Wohnung wurde unrenoviert angemietet, Nebenkosten habe ich immer direkt selbst bezahlt (in den 10 Jahren gab es nicht eine NK-Abrechnung), es gibt keine Mängel die ich verursacht habe (ein Gegenbeweis durch den Vermieter steht natürlich aus). Der Mietvertrag enthält zudem Fehler zu Schönheitsreparaturen, laut Mieterverein muss ich nichts machen da die Klausel unwirksam ist. Trotzdem habe ich die Wohnung geputzt, alle Wandlöcher ausgebessert, Lackschäden übermalt etc. Für mich gilt – ich habe alles erledigt und damit sollte die Kaution (knapp 2.500€) sofort fällig werden.

    Die Aufforderung zurück Rückzahlung stand in der Kündigung, ebenso im Brief mit den Schlüsseln die im Briefkasten eingeworfen wurden + eine finale Email nach Auszug. Ich fürchte nur ich werde kein Geld sehen. Der Mieterverein sagt ich muss jetzt mindestens 6 Monate „einfach abwarten“, dann kann ich die Kaution zurückfordern und muss klagen falls er nicht zahlt. Warum? Wieso wird „der (verantwortungslose) Vermieter“ so geschützt? Die Sachlage ist in dem Fall sicher nicht die alltäglichste und ich bin/war kein Messi-Mieter. Vom Mieterverein bin ich auch sehr enttäuscht, dass man mich auf die Wartebank setzt obwohl man den Fall sehr gut kennt. Ich habe doch nichts falsch gemacht?!

    Hat jemand ähnliches erlebt und was soll ich tun?

  • Warum? Wieso wird „der (verantwortungslose) Vermieter“ so geschützt?

    Das hat nichts mit Schützen zu tun. Du musst es anders herum betrachten. Man kann ja nicht hin gehen, dem Vermieter ein Messer an den Hals legen und so sein Geld fordern. Es muss alles seinen geordneten Gang haben. Das bedeutet, ein Gerichtsvollzieher muss hin gehen und das Geld holen. Aber dafür braucht der Gerichtsvollzieher einen gerichtlichen Titel.

    Du solltest eventuell zu einem Anwalt gehen anstatt zum Mieterverein. Ein Anwalt kann vielleicht mehr Druck machen. Und dazu kommt noch, dass man einen Teil der Nebenkosten Vorauszahlungen zurück fordern kann, wenn der Vermieter keine Abrechnung erstellt.

    Wenn es ganz ungünstig läuft, kann es natürlich auch passieren, dass der Vermieter kein Geld mehr hat und er auch deine Kaution nicht mehr hat. Dann kann der Gerichtsvollzieher natürlich auch nichts holen. Aber das lässt sich vorab feststellen, wie es um die Bonität des Vermieters bestellt ist.

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