Hallo zusammen,
es ist eine spontane Entscheidung, mich in diesem Forum für meine aktuelle Situation zu registrieren. Ich befinde mich in einer seltsamen Situation bei der Ihr mir vielleicht gute Ratschläge geben könnt.
Folgender Sachverhalt:
Seit dem 01.04.20 sind Nutzen und Lasten auf meinen Bruder und mich übergegangen. Wir haben ein Mehrfamilienhaus gekauft, in dem ein zahlungsfauler Mieter wohnt. Dieser Mieter wohnt seit Oktober 2018 in der Wohnung, ist polnischer Staatsbürger und ist der Deutschen Sprache nicht mächtig.
Die Vorbesitzer haben das letzte Mal im Januar einen Teil der 320€ teuren Warmmiete in Höhe von 100€ erhalten. Für den Februar und März erhielten sie keine Miete und seit April sollte die Miete an uns gehen. Aber auch wir konnten keinen Mieteingang verzeichnen.
Wir sind zum ersten Mal Vermieter und daher haben wir keine Erfahrung auf diesem Gebiet bzw. befinden wir uns noch im Lernprozess. Nach meinem Googlestudium konnte ich erfahren, dass bereits durch die Nichtzahlung der Februar und März Mieten die Voraussetzungen für eine fristlose Kündigung gegeben sind. Diesen Hinweis gab ich den Vorbesitzern Ende März und bat sie darum, die fristlose Kündigung auszusprechen, da wir für uns abgeschätzt haben, dass wir mit so einem Problemfall unsere Vermietertätigkeit nicht starten wollen. Außerdem befürchteten wir, dass sobald Nutzen-Lasten ab dem 01.04. übergehen die Vorraussetzungen für die fristlose Kündigung nicht mehr gegeben sind, weil die Vorbesitzer nicht mehr Vermieter sind und er bei uns noch keine Mietschulden hat. Als Info sei hierzu noch erwähnt, dass der Mieter Mitte März von den Vorbesitzern angemahnt wurde, dieser sich aber seiner Information nach in polnischer Quarantäne befinden würde.
Auf unsere Bitte verwies die Vorbesitzerin auf ein Gespräch mit dem Haus und Grund Verein der ihr sagte, dass die neuen Mieter sich keine Gedanken machen müssen deswegen, weil die Vorbesitzerin noch solange Mietverträge kündigen könne, bis die Umschreibung im Grundbuch abgeschlossen ist.
Diese Information gab eine Sekretärin vorab. Ein Gespräch mit einem Anwalt vom Haus und Grund Verein erfolgte dann Anfang April der dieser Sekretärin widersprach und meinte, dass die Vorbesitzer keine fristlose Kündigung mehr aussprechen könnten.
Jetzt ist für uns das Dilemma perfekt. Zwar hatten wir durch Bekannte, die die polnische Sprache einigermaßen beherrschen, die Möglichkeit ein Telefonat nach Polen zu führen um ihn A) über den Vermieterwechsel aufmerksam zu machen und B) darauf hinzuweisen das es nicht mehr so weiterlaufen wird wie bei den Vorbesitzern und er seine Miete pünktlich zu zahlen hat sonst würden rechtliche Folgen drohen. Seine Aussage war, er würde nach Ostern nach Polen kommen, und seine Schulden begleichen.
Also warteten wir die nächsten zwei Wochen ab und erhielten kurz vor Ostern die Mitteilung von ihm, dass er nicht nach Deutschland kommt, da er keine Arbeitserlaubnis bekommen würde. Wir hatten damit schon gerechnet und sagten ihm, dass wir ihm einen Mietaufhebungsvertrag zusenden würden, den er unterschrieben inklusive Schlüssel an uns zurücksenden solle.
Er stimmte mündlich ein und wir sendeten ihm ein Schreiben.
Zwischenzeitlich sendeten wir eine SMS und fragten ihn, was mit seinen Möbeln in der Wohnung geschehen soll. Wir wollten ihm die Möglichkeit geben, seine Sachen abzuholen und vorübergehend in den Keller zu stellen. Darauf folgte keine Reaktion. Der Mietaufhebungsvertrag ist laut Sendungsverfolgung seit dem 21.04 zugestellt. Am 23.04. schrieben wir ihm, dass der Brief zugestellt wurde und er die Schlüssel mit dem unterschriebenen Vertrag an uns schicken soll. Daraufhin kam ebenfalls keine Antwort.
Wir befürchten, dass seine mündliche Zusage den Vertrag zu unterschreiben hinfällig ist, der Vertrag nicht unterschrieben zurückkommt und wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Wir wollten direkt nach Übernahme einen Vermieterrechtsschutz anschaffen mussten dann aber leider feststellen, dass diese mit Wartezeiten verbunden sind und nach der Wartezeit hat man nur Anspruch auf den Vermieterrechtsschutz für Fälle, die ihren Ursprung nach der Wartezeit haben.
Über jede Form von Hilfe, Kritik und Ratschlägen freue ich mich. Gerne lasse ich mir auch mein Fehlverhalten in der Situation aufzeigen.
Liebe Grüße