Mietminderung nach Dachaufstockung bzw. Dachausbau

  • Hi zusammen,

    ich würde gerne mal eure Erfahrungen dazu hören bzw. könnte ich auch Ratschläge gebrauchen. Ich bitte auch vielmals um Entschuldigung, wenn ich so viel geschrieben habe.

    Das betreffendes Haus hat zwei Stockwerke (insgesamt zwei Wohneinheiten) plus ein Dach, welches aber ungenutzt ist. Unter dem Dach befindet sich eine alte ungenutzte Mansardenwohnung. Unsere Wohnung hat einen 6 qm großen Balkon, der nach oben hin offen ist.

    In dieses Haus sind wir vor genau einem Jahr ins obere Stockwerk gezogen. Über uns also nur das leere Dachgeschoss. Haben uns gefreut, keinen mehr über uns zu haben und sind daher auch bereit gewesen, eine Miete zu zahlen, die weit über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt (7,10 Euro laut Mietspiegel, wir zahlen ca. 8,8 Euro)

    Einen Monat nach dem Unterschreiben des Mietvertrages wurde bekannt, dass wir den Dachboden, also die Mansardenwohnung, nicht zusätzlich mieten können, da eine Aufstockung mit Strangsanierung geplant sei. Das war erstmal ein Schock für uns, da wir genau unterm Dach wohnen und uns vorstellen könne, was da auf uns zu kommt. Mit dieser Information hätte ich den Mietvertrag ganz sicher nicht unterschrieben und ich glaube, dass man es uns mit Absicht verschwiegen hat, damit wir unterschreiben. Mindestvertragslaufzeit übrigens 1 Jahr

    Laut Mietvertrag beträgt die Größe der Wohnung 96 qm. Da ich unsere Küche selber aufgebaut habe, brauchte ich auch einen Lasermessgerät. Ich habe damit auch mal recht akribisch die Wohnung ausgemessen und bin aber nur auf ca. 90 qm gekommen (Balkon zur Hälfte mit einberechnet). Leider ist alles noch im Bereich dieser 10 % Toleranz. Erst bei einer Mieterhöhung kann man drauf bestehen, die Miete mit der tatsächlichen qm berechnen zu lassen. Das wäre der 3. Punkt, der uns ziemlich verärgert.

    Also fassen wir zusammen: aktuelle Miete weit mehr, als die orstübliche Vergleichsmiete, Aufstockung bei Vertragsunterzeichnung mit keinem Wort erwähnt und anstatt 96 qm haben wir nur 90 qm

    Geht aber noch weiter.

    In der gesamten Wohnung herrscht eine, wie ich finde, zu hohe Luftfeuchtigeit. Ich rauche gerne Zigarren und um die ordentlich lagern zu können, muss ich in einem Humidor ca. 70 % Luftfeuchtigkeit erzeugen. Das sind Werte, die man in der Karibik hat oder halt bei uns in der Wohnung. Da haben wir nämlich auch um die 70% und ich könnte meine Zigarren aufm Wohnzimmertisch lagern. Im Winter sind von innen die Scheiben immer nass, obwohl wir ausreichend lüften. Bei Einzug waren auch die Gummidichtungen der Fenster teilweise verschimmelt und mussten ausgetauscht werden. Und irgendwie schimmeln bei uns Lebensmittel, wie z.B. Brot, schneller als in der alten Wohnung, was ich auf die zu hohe Luftfeuchtigkeit zurückführen würde.

    Luftfeuchtigkeit und Schimmel als Punkt 4.

    In unsere Nachbarschaft wurde bereits damit begonnen, die Dächer aufzustocken. Bei einem Haus dauern die Arbeiten jetzt schon 7 Monate an und die sind immer noch nicht fertig. Eine Mieterin hab ich schon ausgequetscht. Die Vermietung hat von sich aus schon die Miete um 20 % gemindert. Wie ich finde viel zu wenig, zumal die Frau und sie war bestimmt um die 80 Jahre alt, schon völlig fertig von dem ganzen Lärm und Dreck war. Man hat ihr wohl gesagt, dass sie ja ausziehen könne und sie kann aber auch froh sein, dass man ihr überhaupt gestattet, während der Umbaumaßnahmen in der Wohnung bleiben zu dürfen. Ich glaube es brennt aber ganz gewaltig, dachte ich mir.

    Noch eins habe ich im Angebot. Jetzt aktuell im September ist es Nachts schon ziemlich kalt hier in Berlin und da das Haus so gut wie keine Wärmedämmung hat, hatten wir tagsüber teilweise nur 17 Grad in der Wohnung, Nachts nur 16 Grad. War uns etwas zu kalt und sie haben es nicht auf die Reihe bekommen, die Heizung einzuschalten, da die Anlage wohl erneuert wurde (hab ich erst später erfahren). Alles kein Problem, wenn man darüber spricht aber folgendes ist passiert:

    Ein Anruf bei der Service-Hotline ergab, dass angeblich die Heizung schon in Betrieb genommen wurde, es aber bis Oktober (hatte am 15.09. angerufen) dauern kann, bis die Wärme im Haus ankommt. Hab nur "Aha, okay" gesagt und hab stock sauer wieder aufgelegt und direkt an alle + Vorstand eine Hassmail, mit einer 24 stündigen Frist, geschrieben. Einen Tag später kam der Hauswart mit einem Radiator. Auf die Frage, wo der Stromzähler dazu ist, bekam ich nur einen ungläubigen Blick zugeworfen. Ok, alles halb so wild sagte ich mir, die paar Euros sind mir egal, Hauptsache es wird etwas wärmer, zumal meine Frau schon erkältet war. Für die, die es nicht wissen. Ein Radiator frisst unheimlich viel Strom und man kann es am Stromzähler live beobachten, was der verbraucht. Mittlerweile geht auch die Heizung wieder. Und es lag nicht daran, dass es bis Oktober dauern kann, bis die Wärme bei uns ankommt, sondern es lag daran, dass die eine neue Heizungsanlage installiert haben und sie drei Wochen im Verzug waren, diese Anlage abnehmen zu lassen.

    Also nochmal zusammengefasst:

    1. aktuelle Miete weit mehr, als die orstübliche Vergleichsmiete

    2. Aufstockung bei Vertragsunterzeichnung mit keinem Wort erwähnt

    3. anstatt 96 qm haben wir nur 90 qm Wohnfläche

    4. Wohnung viel zu feucht, Schimmel an den Fensterdichtungen, Wasserdunst an den Fenstern

    5. Fadenscheinige Begründung oder sogar Lüge, warum die Heizung noch nicht läuft

    6. Umgang mit den anderen Nachbarn teilweise unverschämt, siehe auch nächste Story

    Bei einem Nachbarhaus ist mir zu Ohren gekommen, dass ein Mieter die Aufstellung des Baugerüstes mit einer einstweiligen Verfügung gestoppt hat, da die Mieter über gar nichts informiert wurden. Wenn man es so nimmt, sind wir auch noch nicht offiziell mit einem Schreiben über die Aufstockung informiert worden. Wir wissen weder Zeit noch Art der Aufstockung und ich muss mir hier alles selber anschauen und mir ein Bild darüber machen, was hier eigentlich so alles passiert. Am Haus direkt neben an haben sie seit Montag eine Gerüst aufgestellt und der Kran steht schon am Straßenrand und soll die Tage aufgestellt werden. Also bezüglich der transparenten Informationspolitik bestehen bei unserer Hausverwaltung extreme Defizite.

    Da kommen wir auch schon zum Nächsten. Ich habe nun anhand der anderen Häuser festgestellt, dass über unseren Balkon, der ja derzeit nach oben hin offen ist, eine neuer Balkon gebaut wird. Das bedeutet der Lichteinfall wird dadurch vermutlich deutlich gesenkt. Wir haben eine Markise und wenn man die voll ausfährt, ist es ziemlich dunkel im Wohnzimmer. Das bedeutet also, in Zukunft ist unser Wohnzimmer nicht mehr so schön hell, sondern vermutlich ziemlich dunkel sogar.

    Also, an sich ist unsere Wohnung total schön und sehr hell und hat einen tollen großen Balkon. Der Blick hinten raus, also Balkonseitig, ist toll, da man auf eine Kleingartenkolonie schaut. Also alles grün und weit und breit kein Haus zu sehen. Mitten in der Stadt kommt das eher selten vor.

    Meine Frage an euch wäre, wie ich mich eigentlich verhalten soll und was ich tun kann. Rege ich mich zu unrecht und zu übertrieben auf? Hab ich sie nicht alle oder ist mein Unmut berechtigt?

    Mein Gedanke dazu: Wir sind umgezogen, weil man aus unserer alten Wohnung eine Eigentumswohnung gemacht hat. Man hat uns herausgekauft quasi. Die neue Hausverwaltung hat uns von Anfang an enttäuscht und wieder sind wir total verunsichert, wie es mit diesem Haus weiter geht. Mit ganz anderen Voraussetzungen habe ich auch diesen Mietvertrag unterschrieben und nun wieder das, die völlige Verunsicherung. Ich habs ehrlich gesagt satt und ich würde nun alle Hebel in Bewegung setzen, um der Hausverwaltung zu zeigen, wo hier der Hammer hängt. 20 % Mietminderung? Kommt für mich nicht in Frage, her 50, 60 oder sogar 100 %. Je nachdem was hier in unserer Wohnung passiert. Ich denke da an die Decke, die uns auf den Kopf fallen wird, der Lärm, der Dreck usw..

    Was würdet ihr machen? Hat wer damit Erfahrung?

    3 Mal editiert, zuletzt von Mr_Icke (28. September 2017 um 15:59)

  • Hab ich vergessen zu erwähnen.

    Die reißen bei den anderen Häusern das Dach komplett ab und setzen eine neue Wohneinheit auf das Haus. Also das Dach wird nicht nur ausgebaut, sondern komplett abgerissen.

  • 1. Habt ihr so vereinbart. Wenn ihr nur aus dem Grund, dass ihr in der obersten Wohnung wohnt, den Preis bezahlt, dann hättet ihr das in den Vertrag schreiben müssen. Dann wäre es vereinbart gewesen und der Ausbau der nächsten Etage wäre ein Mangel an der Mietsache, der eine Mietminderung rechtfertigt. Habt ihr das nicht, ist das jetzt euer Pech. Ich denke, so ist ein Mangel an der Mietsache schwer durchzubekommen.

    2. Habt ihr danach gefragt? Darauf bestanden, dass es aufgenommen wird? Ansonsten siehe oben.

    3. Man kann auch vor Abschluss des Vertrages nachmessen. Als Anregung für die nächste Wohnungssuche. Wenn ihr dort wohnen bleibt, habt ihr vielleicht irgendwann Glück und die 10 %-Regel wird generell vom BGH gekippt. Dazu muss sich halt nur jemand bis dorthin durchklagen.

    4. Sind sicherlich Mängel, aber bisher ist unklar, woher die stammen. Dass die Scheiben immer nass sind, spricht dafür, dass die Fenster wesentlich schlechter isolieren als die Wände. Grundsätzlich ist das erst mal gut, denn bisher scheinen nur die Fensterdichtungen und nicht die Wände zu schimmeln. Die Frage ist, wo die Feuchtigkeit herkommen soll, wenn ihr Türen habt und sie in allen Räumen sehr ähnlich ist. Gerade obere Wohnung sind ja nicht gerade typisch für aufsteigende Feuchtigkeit. Da kommt es doch meistens vom Nutzungsverhalten und dann scheint das Lüften eben doch nicht zu reichen.

    Wenn es einfach alte, schlecht isolierte und zugige Fenster sind, dann waren die aber sicherlich bei Anmietung schon genauso und sind daher eben so gemietet wie gesehen.

    5. Nicht funktionierende Heizung ist ein Mangel. Es gibt Temperaturen, die nicht unterschritten werden dürfen. Ganz egal, wer dafür verantwortlich ist, wenn die Heizung nicht funktioniert, berechtigt das zur Mietminderung.

    6. Kommt vor. Wahrscheinlich ist man froh, wenn einige Altmieter ihre Sachen packen und ausziehen.

    Die Sache mit dem Balkon, Licht im Wohnzimmer etc. wird man sehen, wenn es soweit ist. Evtl. ergibt sich hier ebenfalls ein Mangel, wenn die Mietsache nicht mehr so ist wie bei Vertragsabschluss.

    Ansonsten läuft sicherlich einiges nicht optimal, aber als Mieter bleibt dir immer die Kündigung. Ihr müsst halt überlegen, zu welchen Konditionen ihr sonst eine vergleichbare Wohnung findet. Als Mieter gehört einem nun mal nicht das Haus und der Eigentümer darf immer noch selbst entscheiden, was er mit seinem Eigentum macht. Gefällt euch das nicht, solltet ihr überlegen, ob ihr nicht lieber auch kaufen wollt und es dann eure Sache ist, was gemacht wird und was nicht.

    Während der Arbeiten die Miete mindern ist sicherlich möglich, allerdings solltet ihr euch bewusst sein, dass 100 % Mietminderung heißt, dass ihr (objektiv!) die Wohnung gar nicht mehr nutzen könnt. Wenn die Mieterhöhung überzogen hoch ist, seit ihr schnell in einem Bereich, der eine Kündigung, ggf. auch fristlos, rechtfertigt. Da sollte man sich sehr genau überlegen, wie weit man geht. So, wie du den Vermieter hier darstellst, dürfte der sich da nicht viel gefallen lassen und seine Rechte voll ausnutzen. Am Ende steht ihr vielleicht unfreiwillig ohne Wohnung da.

  • Naja, ohne Anwalt mache ich das ja nicht.

    Welche Rechte ich und auch der Vermieter hat, ist mir bewusst. Auch das, was Du alles schreibst, ist mir klar.

    Mir geht's eigentlich darum, wie die mit ihren Mietern umgehen und wie ich mich verhalten soll. Soll ich den verständnisvollen Mieter spielen, mich verarschen lassen und die Füße still halten oder sollte ich mich wehren?? Ich bin an einen Punkt angelangt, an dem ich mir eigentlich nicht alles gefallen lassen will. Ich bin zum Glück beim Mieterschutzbund und habe somit auch einen Rechtsschutz.

    Eigentum kaufen wird vielleicht auch knapp. Ich bin jetzt 41 Jahre. Meine Frau ist 52 Jahre und Eigenkapital haben wir auch nicht. Ich arbeite in Berlin und komme hier auch nicht ohne weiteres raus. Ich bin hier also gebunden und die Preise in Berlin sind ganz schön happig.

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