Mietminderung aufgrund von Baulärm

  • Hallo,
    bei mir, direkt vor der Haustür, wird ein neues Hochhaus von der DEGEWO, welche zugleich mein Vermieter ist, gebaut. Mein einziges zu öffnendes Fenster (abgesehen von der Balkontür) zeigt exakt auf diese Baustelle, welche maximal 30 Meter entfernt ist. Die Bauarbeiten sind logischerweise mit erheblichem Lärm verbunden... Würdet ihr die Miete mindern? Wenn ja, um wie viel Prozent und wie gehe ich dabei am besten vor?

    Die Bauarbeiten gehen soweit ich weiß bis zum Sommer nächsten Jahres.

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    Falls es von Relevanz ist: Die Miete wird monatlich per SEPA-Lastschriftmandat von meinem Konto eingezogen.

    Vielen Dank im vorraus!

    Einmal editiert, zuletzt von Sazambi (22. Juli 2016 um 11:16)

  • Hallo Sazambi,

    Mietminderung wegen Baulaerm ist schwieriges Terrain. Grundsaetzlich kann wegen so lange andauerndem Baulaerm wie bei Dir die Miete gemindert werden. Es gibt dabei jedoch immer zwei Streitpunkte, die dann sehr gerne - mit entsprechendem Risiko- vor Gericht landen.

    1. Die Hoehe der Minderung. Die meisten Urteile liegen irgendwo zwischen 10 und 25%, wobei bei 25% schon massive Beeintraechtigungen vorliegen muessten. Verlaessliche Angaben dazu gibt es nicht. Die Einschaetzung haengt also vom Richter ab und wird gerne von einem - teuren - Gutachter festgestellt. Die Kosten gehen zu Lasten der Prozessparteien anteilig im Verhaeltnis zum Urteil, wieviel Abzug berechtigt ist oder auch nicht.

    2. Wenn Du zum Zeitpunkt des Einzugs damit rechnen haettest muessen, dass da etwas gebaut wird, darfst Du die Miete gar nicht mindern. Ob Du damit rechnen musstest, ob liegt wiederum der Einschaetzung des Gerichts und wird von den Richtern oftmals sehr uneinheitlich gehandhabt. Es gab schon Urteile, dass bereits ein freier Bauplatz ausreichend dafuer ist.

    So eine Mietminderung sollte also gut ueberlegt sein.

    cu
    Guenni

  • Hallo Guenni,
    erstmal ein riesen Dankeschön für die schnelle und kompetente Antwort.

    Ich wohne seit 4 Jahren in der Wohnung und bis Anfang dieses Jahres standen an dem Ort wo jetzt das Haus gebaut wird ein Bolzplatz, der Müllplatz für unser Haus, sowie einige Bäume. Die Bäume wurden vor einigen Monaten abgeholzt. Kurz darauf habe ich ein Informationsschreiben von der DEGEWO bezüglich des Bauvorhabens erhalten.
    Ich habe an eine Mietminderung von 10 - 15% gedacht.

    Lässt es sich einschätzen, wie viel Erfolg ich damit haben würde?

    Beste Grüße,

    Adrian

  • Hallo,

    ich würde eine mögliche Mietminderung keinesfalls allein, sondern nur mit einem erfahrenen Fachanwalt für Mietrecht angehen, da man doch einiges falsch machen kann.

    Es stellt sich natürlich auch die Frage, welcher Lärm entsteht und, vor allem, zu welcher Zeit gewerkelt wird.

    Ob die zwei bis drei Baumaschinen und LKW die hier zu sehen sind tatsächlich so viel mehr Lärm machen als die auch nicht gerade kleine Straße davor wäre zumindest diskussionswürdig.

    Wenn die Aushubarbeiten dann beendet sind wird es (erfahrungsgemäß) sowieso wieder ruhiger, da dann ja, mal abgesehen von einem möglichen Kran, nicht mehr (so oft) mit schwerem Gerät gearbeitet wird.

    Mir wären hier 10 - 15 % Mietersparnis (was bedeutet das denn in Euro für Dich?) den möglichen Stress nicht wert...

    Grüße,

    Dirk

    Einmal editiert, zuletzt von Rasurel (22. Juli 2016 um 14:06)

  • Hallo Doc_Schnaggls,
    auch vielen für deine Antwort. Heute Vormittag war es tatsächlich ziemlich laut, da ich das Fenster geöffnet hatte. Einer der Geräte scheint mit einer Art Bohrer den Boden aufgestemmt oder aber etwas im Boden verankert zu haben. Jedenfalls war es störend laut, obwohl ich nicht sonderlich lärmempfindlich bin. Ohnehin werde ich erstmal abwarten, wie sich der Lärm über die nächsten Tage entwickelt.

    10% - 15% würden ein Ersparnis von 40€ - 60€ monatlich für mich bedeuten.

    Beste Grüße,

    Adrian

  • Hallo Adrian,

    wie gesagt, wenn die Grube mal fertig ist wird es erfahrungsgemäß schon ruhiger.

    Du kannst Dich ja mal spasseshalber erkundigen, was ein Fachanwalt für Mietrecht bei Euch für eine durchgesetzte Mietminderung an Kosten aufruft - diesen Betrag dann im Verhältnis zu den möglichen Einsparungen und dem möglicherweise damit verbundenen Ärger betrachtet sollte Dir dann die Entscheidung ermöglichen, ob es sich wirklich lohnt.

    Wenn es keine echte Nachtbaustelle ist, wobei ich bei Wohnbau eher nicht ausgehe, gehe ich eher davon aus, dass sich das Ganze für Dich nicht wirklich rechnet.

    Schlussendlich ist es aber natürlich Deine Entscheidung.

    Grüße,

    Dirk

  • Bevor ich hier darüber nachdenke, einen Anwalt einzuschalten (der arbeitet auch nicht umsonst) oder eigenständig eine Mietminderung durchzuführen, würde ich hier vielleicht mal ein vernünftiges Gespräch mit dem Vermieter suchen.

    Insbesondere bei größeren Unternehmen, bzw. Bauvorhaben wird so eine Mietminderung schon einmal einkalkuliert. Vielleicht stimmt der Vermieter einer Minderung dieser 10-15% sogar zu?
    Wenn nicht, kannst Du immer noch den Anwalt deines Vertrauens befragen.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

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