Ruhestörung durch behinderten Besucher

  • Hallo liebes Forum,

    ich suche einen Ausweg aus meiner Situation und hoffe, ihr könnt mir (kompetenten) Rat geben.

    Ich wohne seit einem Jahr in einem Mehrfamilienhaus (6 Parteien), direkt neben mir auf der Etage eine ältere Dame. Ich bin beruflich oft zuhause tätig (selbstständig, PC-Arbeit) und habe mich bald gewundert, was da nebenan los ist. Fakt ist: Ich höre täglich (!) von morgens (teilweise 6 Uhr) bis abends (teilweise bis halb 2 nachts) fast ununterbrochen folgende Worte: "Ja, Mama". Manchmal auch "Nein, Mama". Und ganz selten mal ein "Mach ich, Mama." Es ist eine laut durchdringende Männerstimme, welche wirklich bis in den letzten Winkel meiner 3-Zimmer-Wohnung dringt, und das tagaus tagein. Ich schlafe damit ein, ich wache damit auf. Man hört es (ich hab gezählt!) bis zu 60mal pro Minute (!) Jeder Besucher kann das bestätigen - und wundert sich übrigens genauso, und spätestens nach einigen Malen ist er ebenso genervt wie ich.
    Bald habe ich herausgefunden: Die alte Lady hat ihren ebenfalls schon ziemlich bejahrten Sohn bei sich zu Besuch, täglich, oft mit Übernachtung. Was sie ja gern darf. Dabei stehen jedoch zum einen die Fenster offen, zum anderen scheinen sie sich immer direkt neben meinem Arbeitszimmer aufzuhalten. Das alles dürfen sie zwar auch, aber so wird sogar noch die Straße mit "Ja, Mama" unterhalten - man hört es, wenn man unten aus dem Auto steigt, wenn man die Treppe hochgeht, und wenn man zuhause sitzt. Es ist wirklich eine Sache, die mich verrückt macht.

    Ich hab mir dann kürzlich mal ein Herz gefasst und bei meiner Nachbarin geklingelt. Hab ihr ganz nett (!) geschildert, dass ich die Gespräche mithören könne, vor allem immer dieses "Ja", und dass ich mich am PC konzentrieren möchte. Und ob sie vielleicht eine Möglichkeit sieht, das einzudämmen, z. B. durch das Schließen der Fenster oder dadurch, dass die Gespräche in einen anderen Raum verlegt werden. Ich konnte aber kaum meine Bitte zuende aussprechen, denn sie hat mich nur angefaucht - ihr Sohn wäre behindert, und er dürfe sich bei ihr aufhalten, und weiter werde sie kein Wort darüber mit mir sprechen. Ich war leider auch nicht sehr überrascht von ihrer Reaktion, da sie auch früher nie besonders freundlich oder nachbarschaftlich gewesen war. Ihr erster Akt nach meinem Einzug war, dem Vermieter zu melden, dass ich einen Adventskranz an meiner Wohnungstür angebracht habe (!) Und gegrüßt hat sie im Treppenhaus auch nie.

    Bei ihr persönlich ist also nichts zu erreichen. Ich hab mal mit einem Kumpel drüber geredet, und der hat gemeint, das ist auf jeden Fall Ruhestörung, weswegen ich evtl. die Miete mindern könne bzw. weswegen erstmal der Vermieter in der Pflicht ist, irgendwas zu ändern. Als er dann aber gehört hat, dass dieser Mann geistig behindert ist, hat er gemeint, meine Chancen werden wohl schlecht stehen, da ich als behindertenfeindlich dastehen könnte.

    Nun bin ich sicher nicht behindertenfeindlich. Ich möchte nur in Frieden leben und in Ruhe meiner Arbeit nachgehen. Ich möchte nicht 60mal pro Minute "Ja, Mama" hören, das halten die allerstärksten Nerven nicht aus!
    Zudem denke ich, dass dieser Mann sich zurückhalten würde, wenn seine Mutter ihn nicht mit ihrem ununterbrochenen Gerede "Jetzt nimm den Regenschirm mit", "Siehst Du?", "Dann mach ich uns Essen" usw. usw. ermuntern würde, eben dieses "Ja Mama" in einer solchen Frequenz von sich zu geben.

    Anmerkung: Der Mann soll übrigens nicht hier wohnen! Sondern er wohnt in der Nähe in einem heim für Behinderte. Ist nur täglich und ständig bei seiner Mutter zu Besuch, oft auch über Nacht.

    Ich würde so gern etwas mehr Ruhe haben! Kann jemand hier etwas zur Rechtslage, zu meinen Chancen oder irgendwelchen Lösungsvorschlägen etwas sagen?

    Ausziehen möchte und kann ich nach nicht, da die Wohnung sonst mein Traum ist und hier auch schwer etwas zu finden ist.

    Vielen Dank und Grüße

    Benck7

  • Ich würde so gern etwas mehr Ruhe haben! Kann jemand hier etwas zur Rechtslage, zu meinen Chancen oder irgendwelchen Lösungsvorschlägen etwas sagen?


    Zur Rechtslage und Chancen: Mietminderung bei Ruhest
    (Anm.: Das ist nicht mein Rat, die Miete zu mindern, sondern der Hinweis auf einen Artikel, der so eine - sich immer an der Grenze zur Diskriminierung befindliche - Lage erörtert.)

    Lösungsvorschlag: Gemeinsam mit dem Vermieter - falls möglich - schalldämmende Maßnahmen für Deine Wohnung besprechen.

    Einmal editiert, zuletzt von AjaxMH (2. Juni 2014 um 08:07)


  • Zudem denke ich, dass dieser Mann sich zurückhalten würde, wenn seine Mutter ihn nicht mit ihrem ununterbrochenen Gerede "Jetzt nimm den Regenschirm mit", "Siehst Du?", "Dann mach ich uns Essen" usw. usw. ermuntern würde, eben dieses "Ja Mama" in einer solchen Frequenz von sich zu geben.

    Wenigstens hört er auf seine Mutter.

    Im Ernst: Der Fall ist schwierig, weshalb ich dem Vorredner dahingehend zustimmen würde.
    Fakt ist, dass hier sicher keine Absicht dahinter steckt und man es der Frau sicher nicht untersagen kann, Besuch von Ihrem Sohn zu erhalten.
    Ob eine Mietminderung möglich ist, wage ich nicht zu beurteilen. Mir stellt sich aber die Frage, ob Du davon ruhiger wohnen kannst. Der Krach wird bleiben.

    Zitat

    Ich war leider auch nicht sehr überrascht von ihrer Reaktion


    Das wäre ich auch nicht gewesen. Der Dame dürfte nicht bewusst sein, dass die Gespräche die Nachbarschaft stören. Selbst wenn sie sich dessen bewusst ist, wird sie sich nicht vorschreiben lassen, wann und wo sie ihren Sohn sprechen lässt.
    Der Vermieter kann dagegen auch wenig tun, außer dem schon angesprochenen Lärmschutz in Ihrer Wohnung.

    Meine Antworten beruhen aus meiner persönlichen Erfahrung und stellen keine Rechtsberatung dar.

  • Verzeihung Euer Ehren: Nur mal so spekuliert.

    Mitminderung könnte man (theoretisch)geltend machen und praktisch sähe das so aus:

    Sie mindern die Miete. Damit soll Nachdruck erzeugt werden, das der Vermieter dort Ruhe einkehren lässt. Die Ruhe wird wahrscheinlich nicht einkehren. Eine Kündigung der Ruhestörer erscheint aussichtslos. Dann wird der Vermieter Mittel und Wege finden Sie loszuwerden.
    Er wird nicht nachvollziehen können, warum er für den Lärm und Empfindlichkeit seiner Mieter noch bezahlen soll.

    Ihnen bleibt, wie bereits erwähnt, nur das Gespräch und als Alternative gewisse Stöpsel.

  • Da ich einen solchen Fall aus meiner Berufspraxis auch noch nicht kenne, kann ich hier nur spekulieren.
    Ich denke, man kann bei einem geistig behinderten eine mangelnde geistige Reife vermuten, die den Behinderten auf den Stand eines Kindes versetzt. Wenn man Pech hat, setzt die deutsche Rechtsprechung damit einen geistig behinderten einem Kind gleich. Und gegen Kinderlärm ist man in Deutschland machtlos.
    Nur so meine Rumspinnerei. Belegen könnte ich es nicht. Da müsste ich googlen, aber das kann der Fragesteller auch.

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