Kündigung wg. Eigenbedarf. Nach fast gut 1 1/2 Jahren Wohnung immer noch ungenutzt...

  • Hallo allerseits,

    mir wurde nach 16 Jahren in einer städtischen Wohnung diese wegen Eigenbedarfs seitens der Stadt fristgerecht gekündigt. Der Eigenbedarf wurde in der Kündigung nachvollziehbar begründet, also habe ich der Kündigung (sehr schweren Herzens) zugestimmt und bin ausgezogen (ohne Ausgleich der Stadt für all die dabei anfallenden Kosten und den nicht unerheblichen Zeitaufwand).
    Jetzt muss ich etwas weiter ausholen:
    Die Wohnung ist in einem Sportheim und war bis vor Jahrzehnten ehemals Dienstwohnung für den Platzwart, der diese Sportanlage betreut hat. Bevor ich dort eingezogen bin, war die Wohnung jedoch bereits an Personen vermietet, die mit der Sportanlage nichts zu tun hatten, also als ganz normale Wohnung an ganz normale "Otto-Normalbürger".
    Die Begründung der Eigenbedarfskündigung zielte nun darauf ab, dass für den auf der Anlage stattfindenden Sportbetrieb dringend zusätzlicher Raumbedarf bestehen würde. Das schien mir ein durchaus plausibler Grund für die Kündigung, zumal bereits vor meinem Auszug die Wohnung von einer Planerin vermessen wurde, um die Räumlichkeiten für die neue Nutzung umzugestalten (z.B. Trainer- oder Schiedsrichterbüros mit Duschzelle). Obwohl ich sehr gerne dort weiter gewohnt hätte, habe ich also keinen Widerspruch gegen die Kündigung eingereicht, da mir die ganze Sache zwar für mich traurig, aber von Vermieterseite/Stadtverwaltung doch berechtigt vorkam. Vor gut 1 1/2 Jahren bin ich dann also ausgezogen.
    Und jetzt kommts: seit meinem Auszug ist an der Wohnung genau NICHTS passiert. Sie steht seitdem leer und wird laut Aussagen von Bekannten, die dort trainieren auch nicht genutzt. Ich komme auch selbst öfters dort vorbei und sehe, dass nach wie vor meine alten Jalousien in den Fenstern hängen, die Räumlichkeiten leer sind und noch nicht mal die Innentüren bewegt wurden. Von Renovierungs- oder Umbaumaßnahmen ganz zu schweigen. Summiert man die Kündigungsfrist und die Zeit seit meinem Auszug sind das bald 3 Jahre, in denen der ursprüngliche Kündigungsgrund nicht umgesetzt wurde (und noch nicht mal irgendeine andere Nutzung).
    Ich frage mich nun, warum ich eigentlich mit viel Zeit- und finanziellem Aufwand eine neue Wohnung gesucht (ist hier gar nicht so einfach) und renoviert habe, ein Umzugsunternehmen bezahlt und auch sonst so einige Nachteile in Kauf genommen habe, in der Überzeugung, dass meine alte Wohnung wirklich anderweitig dringend gebraucht würde.
    Mir kommts so vor, als hätte irgend ein Verwaltungsfuzzi mal eben eine fixe Idee gehabt, die aber letztenendes weder Hand noch Fuß hatte. Der einzige Leidtragende bin allerdings letzten Endes ich... (und zusätzlich noch das Stadtsäckel, dem seit bald 2 Jahren auch noch die Mieteinnahmen aus der Wohnung fehlen, aber das ist ja "nur" Allgemeingut" und tut niemandem weh...). Ich finde, da wurde sehr leichtfertig mit dem (meinem) ganz persönlichen Lebensbereich umgegangen...

    Ich bin ratlos aber auch echt sauer. Am liebsten würde ich demjenigen, der das ursprünglich in die Wege geleitet hat mal ordentlich "gegen's Schienbein treten" (natürlich nur im übertragenen Sinne). Allerdings weiß ich gar nicht, von wem die Sache ursprünglich ins Rollen gebracht wurde. Aber es sollte doch erst eine wirklich hieb- und stichfeste Planung stehen, bevor man jemanden nach 16 Jahren aus seiner Wohnung rauskündigt...

    Hat jemand eine Meinung dazu oder vielleicht auch Erfahrungen, ob man in so einem Fall zumindest z.B. Umzugskosten/Zeitaufwand o.ä. geltend machen kann? In meinen Augen ist der Kündigungsgrund im Nachhinein nämlich ganz einfach nicht stichhaltig bzw. nicht zutreffend, die Sache hat mich aber durchaus ein paar tausend Euros gekostet. Davon hätte ich auch ein paar mal schön in den Urlaub fahren können.

    Vielen Dank im Voraus für Meinungen/Ratschläge/Beiträge.


    PS:
    Sorry, ist leider etwas länger geworden...

  • Hallo HansDampf,
    ich empfehle Dir, Deine Bedenken usw. dem ehemaligen Vermieter per Einwurfeinschreiben mitzuteilen und ihn um Stellungnahme zu bitten. Auch die entstandenen Kosten auflisten.

  • Sollte der Grund für den Eigenbedarf nach Mietende und Auszug weg gefallen sein, wäre ein Anspruch auf Entschädigung verwirkt.

    Mal ehrlich, nach 1,5 Jahren würde jeder Richter nur noch müde lächeln wenn Schadensersatz gerichtlich eingeklagt werden sollte.

  • Ich habe eben den Verdacht, dass die ganze "Planung", die Wohnung für Vereinszwecke umzunutzen nie wirklich Hand und Fuß hatte, sondern eher eine fixe Idee war. Und die Tatsache, dass nach meinem Auszug in der Wohnung rein gar nichts mehr passiert ist, lässt mich schon sehr dran zweifeln, dass der ursprüngliche Kündigungsgrund wirklich hieb und stichfest ist (bzw. damals war). Und ich finde schon, dass eine Eigenbedarfskündigung nur bei wirklich stichhaltigen Gründen ausgesprochen werden dürfte. So viel Verantwortungsgefühl sollte man schon verlangen können.
    Die Frage ist nur, wie kann ich herausfinden, ob und wie die "Planungen" zu der Wohnung hinter den Kulissen abgelaufen sind und aus welchen Gründen und vor allem zu welchem Zeitpunkt sie wieder begraben wurden.
    Weiß jemand, in wieweit man als Otto-Normalbürger z.B. bei der Stadtverwaltung/Liegenschaftsamt/Sportamt ein Einsichtsrecht in Akten oder Protokolle zu so einem Vorgang hat? Denn ich würde schon gerne erstmal die wirklichen Fakten kennen, bevor ich nachbohre und eine Stellungnahme anfordere...
    Falls sich dabei herausstellt, dass alles seine guten Gründe hat/hatte, dann bin ich der Letzte, der rumnörgelt. Aber im Moment wirkt die Sache auf mich schon eher seltsam. Und immerhin hat mich die Sache einige tausend Euro gekostet. Die hab ich auch nicht einfach in der Portokasse...

    Gruß
    C.

    2 Mal editiert, zuletzt von HansDampf (4. Februar 2016 um 21:04)

  • Ich habe eben den Verdacht, dass die ganze "Planung", die Wohnung für Vereinszwecke umzunutzen nie wirklich Hand und Fuß hatte, sondern eher eine fixe Idee war. Und die Tatsache, dass nach meinem Auszug in der Wohnung rein gar nichts mehr passiert ist, lässt mich schon sehr dran zweifeln, dass der ursprüngliche Kündigungsgrund wirklich hieb und stichfest ist (bzw. damals war). Und ich finde schon, dass eine Eigenbedarfskündigung nur bei wirklich stichhaltigen Gründen ausgesprochen werden dürfte. So viel Verantwortungsgefühl sollte man schon verlangen können.
    Die Frage ist nur, wie kann ich herausfinden, ob und wie die "Planungen" zu der Wohnung hinter den Kulissen abgelaufen sind und aus welchen Gründen und vor allem zu welchem Zeitpunkt sie wieder begraben wurden.
    Weiß jemand, in wieweit man als Otto-Normalbürger z.B. bei der Stadtverwaltung/Liegenschaftsamt/Sportamt ein Einsichtsrecht in Akten oder Protokolle zu so einem Vorgang hat? Denn ich würde schon gerne erstmal die wirklichen Fakten kennen, bevor ich nachbohre und eine Stellungnahme anfordere...
    Falls sich dabei herausstellt, dass alles seine guten Gründe hat/hatte, dann bin ich der Letzte, der rumnörgelt. Aber im Moment wirkt die Sache auf mich schon eher seltsam.


    Tipp, falls Du keine Ruhe findest bzw. finden willst: Wende Dich an den politischen Gegner, der hat immer ein offenes Ohr für Probleme (zumindest bis zu den nächsten Wahlen)...:o

  • Haha, guter Tip. :D

    Aber würdet ihr euch nicht auch etwas veräppelt vorkommen, wenn ihr nach langer Zeit aus eurer Wohnung gekündigt werdet und diese dann seitdem leer steht?

  • Haha, guter Tip. :D

    Aber würdet ihr euch nicht auch etwas veräppelt vorkommen, wenn ihr nach langer Zeit aus eurer Wohnung gekündigt werdet und diese dann seitdem leer steht?


    Sagen wir es mal so, ja und nein. Einerseits ist das natürlich eben nicht schön, andererseits Miete ich Wohnraum in dem Bewußstsein das genau das passieren kann.
    Alternativ muß ich eben Eigentum erwerben. Das hat natürlich evtl. wieder andere Probleme zur Folge. Dank unserer super ausgefeilten Gesetzgebung kann man sich wegen einer Eigenbedarfskündigung natürlich richtig schön lange und teuer streiten, auch im Nachhinein.
    Der Rechsanwalt deines Vertrauens wird dir, gegen fürstliche Entlohnung, da gerne weiterhelfen.
    Mein Ratschlag wäre:
    Nimm das Geld was du dem Anwalt nicht bezahlst, weil du dich nicht streitest, und fahre dann dafür ein paar mal schön in Urlaub, so wie du es weiter oben ja schon vor hattest.
    Mehr Geld kann man, auf die schnelle, gar nicht "verdienen".

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