Guten Tag.
Vor 12 Jahren ging meine Vermieterin pleite, die Wohnung wurde zwangsversteigert und die neuen Besitzer haben mich rausgeekelt, da ich zu dünnhäutig war, um mich zu wehren. Es war eine schlimme Zeit für mich: frisch getrennt, frisch alleinerziehende Mutter eines Neugeborenen, plötzlich Sozialhilfe statt erfolgreich selbständig und mit 2 Katzen war ich genau, was Vermieter nicht suchen. Dazu kam, dass der Stuttgarter Wohnungsmarkt sowieso hart umkämpft ist.
Ich fand keine Wohnung. Ich hatte eine angehende Beziehung mit einem sehr netten Kerl, der irgendwann, nachdem er sich das Elend lang genug angeschaut hatte, eine Wohung hier in Stuttgart als Kapitalanlage kaufte und sie an mich vermietete. Ich durfte sogar die gesamte Ausstattung mit aussuchen. 12 Jahre lang hatten wir nun zwar doch keine Beziehung, aber ein sehr unkompliziertes und nettes Mitverhältnis und mein Sohn und ich fühlen uns hier total zuhause. Mein Vermieter lebt in Berlin. Nie gab es Probleme und ich habe meine Miete in all den Jahren pünktlich bezahlt.
Nun kam kürzlich ein Anruf: er möchte die Wohnung verkaufen. Am liebsten, so stellt er sich vor, an einen Investor, damit alles beim Alten bleiben kann und ich hier wohnen bleiben darf. Er hat in Berlin eine neue Beziehung, möchte mit seiner Liebsten zusammenziehen und sie auch unterstützen, damit sie nicht soviel arbeiten muss, darum möchte er sein Kapital flüssig machen. Soweit verständlich. Schade nur für mich, denn nun bin ich endlich wieder erfolgreich selbständig, aber erst seit wenigen Monaten- ich würde die Wohnung zwar gern selber kaufen, aber so gern mein Bankmensch mich mag, er hat nicht die geringste Möglichkeit, mir jetzt einen Kredit zu geben.
Der Makler tut natürlich sehr nett und verständnisvoll, aber er schleppt bisher ausschliesslich Leute an, die ganz klar kaufen wollen, um hier selbst einzuziehen. Nachdem ich jetzt mehrmals brav die Wohnung geputzt und immer für Besichtigungen zu Verfügung gestanden habe, um mir dann anzuhören, wie hier Leute durch die Wohnung traben und so tun, als ob sie ihnen schon gehört, befällt mich allmählich die Panik. Ich liebe diese Wohnung und den Garten, meine Nachbarn, und mein Sohn und ich sind hier total verwurzelt nach 12 Jahren. Ich mag hier nicht ausziehen!
Ich habe meinem Vermieter, mit dem ich ja bisher ein total freundschaftliches und nettes Verhältnis hatte, mehrmals emails geschrieben : ob er noch zwei, drei Jahre wartet, bis ich selber kaufen kann; ob er mich gegen eine Kündigung wegen Eigenbedarfs schützt mit einem neuen Vertrag mit entsprechender Klausel. Ich verstehe seinen Wunsch zu verkaufen und nehme es nicht persönlich, ich wünschte nur, man könnte eine Lösung finden, mit der wir beide froh sind. Er verdient gut und muss denke ich nicht unbedingt jetzt verkaufen, aber es nervt ihn, sich darum zu kümmern und er möchte jetzt von seinem Geld was haben, nicht mit 75, wenn er vielleicht schon tot ist. Obwohl ich ganz nett und sachlich geblieben bin, antwortet er mir gerade gar nicht mehr, was ich gar nicht verstehe. Vorgestern waren es nun meine netten Nachbar aus dem zweiten Stock, die meine Wohnung angeschaut haben, das gab mir nervlich den Rest.
Fühle mich grade ziemlich hilflos und wehrlos. Was ich bisher weiss oder zu wissen meine: ich habe eine Kündigungsfrist von 12 Monaten, da ich bereits seit über 8 Jahren hier wohne, unser Mietvertrag ist unbefristet. Nun sagte mir jemand, es seien nur 9 Monate. Dann sagt wieder jemand anders, ich sei ein Härtefall, und der nächste sagt, eine Alleinerziehende mit nem Bandscheibenvorfall ist doch kein Härtefall! Ich verstehe nicht, ob meine Wohnung von Anfang an eine Eigentumswohnung war oder ob sie nun in eine umgewandelt werden soll (was mir die Möglichkeit einer Sperrfrist von 3-10 Jahren geben würde, da man in Stuttgart enorm schwer eine Wohnung findet, und da ich gerde frisch wieder selbständig bin, sind meine Chancen ja wieder nicht toll- ich verdiene gut, aber kann es im Prinzip nicht wirklich nachweisen, da es noch zu kurz ist und ich sogar momentan noch vom Jobcenter begleitet werde). Ich bin selber so ein naiver Gutmensch, dass mich die Gleichgültigkeit des Maklers und der Kaufinteressenten total aus der Bahn wirft. Eine Anwältin riet mir, erstmal die Interessenten mit Geschichten über die Nachbarn und meinem Vorkaufsrecht abzuschrecken (wobei es ja schwierig ist, damit zu drohen, wo ja mein Vermieter und der Makler wissen,dass ich momentan nicht in der Position zum Kauf bin). Das klingt total nach Jammerlappen, aber die Vorstellung, hier ausziehen zu müssen, schafft mich grade total.
Hat jemand noch Tipps für mich, wie ich mich wehren kann? Was kann ich tun? Ich mache mich völlig verrückt, dabei ist noch gar nichts sicher, ich bin aber völlig uncool. Gibt es irgendwie doch eine Möglichkeit, dass ich die Wohnung selber kaufen kann? Sorry für den langen Text!
Wäre für Hilfe sehr dankbar....